Die Stadt Meckenheim:
Diplomarbeit

Meine Diplomarbeit „Die Stadt Meckenheim: Herausforderungen für die Stadtplanung im Zeichen des demographischen Wandels“ von 2006 steht hier bereit: Vollständige Fassung (PDF) ►

Diplomarbeit Carsten D. KolendaDie Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ist von Schrump­fung, Alterung und Internationalisierung geprägt. Obwohl diese Entwicklung in den letzten Jahren stärker in das öffent­liche Bewusstsein getreten ist, werden vor Ort häufig keine erheblichen Veränderungen erwartet. Dabei wirkt sich der demographische Wandel maßgeblich auf soziale und ökonomische Strukturen in den Städten aus.

Der Rhein-Sieg-Kreis gehört zu den wenigen Regionen, die in den kommenden Jahren von einem Wachstum ausgehen können. Gerade in hochverdichteten Räumen kommt es aber zu einem engen Nebeneinander wachsender, stagnierender und schrumpfender Kommunen. Allein aus der Prognose für den Kreis kann also nicht abgeleitet werden, ob etwa auch die Stadt Meckenheim, der Unter­suchungsraum der Arbeit, zu den Gewinnern zählen wird.

Um an der möglichen positiven Entwicklung teilhaben zu können, kommt es für die Entschei­dungs­träger vor Ort darauf an, auf die demographische Ent­wick­lung abgestimmte Hand­lungs­strategien zu entwickeln. Dies betrifft durchaus nicht nur Politik und Verwaltung, sondern etwa auch die Privatwirtschaft.

Schlussbetrachtung (Kapitel 7, Seiten 107–109):

In der Stadt Meckenheim ist in der letzten Zeit, ungefähr seit der Jahrtausendwende, ein leichter Rückgang der Einwohnerzahl zu verzeichnen. Die Neubürger aus der Hochphase der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme der 1960er bis 1990er Jahre sind älter geworden, entsprechend hat sich die Altersstruktur verändert – von einer „sehr jungen“ Stadt zu einer Kommune mit einem Altersaufbau, der sich nicht wesentlich etwa von demjenigen der Nachbargemeinde Rheinbach – dort hat es keine große Entwicklungs­maßnahme gegeben – oder des Rhein-Sieg-Kreises unterscheidet. Setzte sich die Entwicklung in den nächsten Jahren so fort, schrumpfte die Stadt Meckenheim bis zum Jahre 2020 um rund 1 200 Einwohner, zugleich verdreifachte sich nahezu der Anteil der Hochbetagten (ab 80-Jährigen), und das Durchschnitts- und das Medianalter lägen nicht nur über denjenigen des Kreises, sondern auch über denjenigen des Landes Nordrhein-Westfalen.

Wann immer die Rede vom demographischen Wandel mit den Tendenzen der Schrumpfung, Alterung und Internationalisierung ist, wird dieser – zurecht – als große gesellschaftliche Entwicklung angesehen. Dies birgt die Gefahr, ihn vorschnell als „weit weg“ abzutun. Doch tatsächlich geschieht Bevölkerungsentwicklung stets vor Ort: das Ende der Expansion Meckenheims nach dem Auslaufen der Entwicklungsmaßnahme, die Alterung der Einwohner – all dies sind Manifestationen des demographischen Wandels, die ihren Grund, wie gezeigt, durchweg in lokalen Entwicklungen finden. Während der in der Bundesrepublik Deutschland bestehende, allgemeine Trend zur Schrumpfung im Rhein-Sieg-Kreis gerade nicht zutrifft – dessen Einwohnerzahl wird gegenüber dem heutigen Stand, je nach Quelle, in den nächsten 15 bis 20 Jahren voraussichtlich um 5 bis 9 % ansteigen –, ist der Alterung in jedem Falle eine bedeutende Stellung beizumessen.

Die oben dargestellten Ergebnisse der Bevölkerungsvorausberechnung für Meckenheim setzen eine völlige Inaktivität der Kommunalpolitik voraus. Dies ist offensichtlich keine sehr realistische Annahme. Zudem ist eine Prognose für die Raumeinheit „Stadt“ stets mit besonderen Unsicherheiten verbunden. Mithin ist also davon auszugehen, dass die tatsächliche Entwicklung nicht dergestalt verlaufen wird, dass die konkreten, hier genannten Werte erreicht werden. Es lässt sich aber ein Trend ablesen: wird nicht gehandelt, so kommt es zu einer Schrumpfung und Überalterung. Demzufolge wird es zunächst einmal darauf ankommen, dass die kommunalpolitischen Entscheidungsträger und anderen lokalen Akteure – wenn dies noch nicht geschehen sein sollte – die tatsächliche Entwicklung zur Kenntnis nehmen, damit die Grundlage für eine demographiebewusste Gestaltung der zukünftigen Entscheidungen gegeben ist. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass nicht die hier prognostizierte, sondern die politisch intendierte Entwicklung eintreten kann: der Rat der Stadt Meckenheim hat im Jahre 2005 mit der Zielvereinbarung zur „Aktion Meckenheim 2020: Programm zur behutsamen Stadterneuerung und Stadtentwicklung“ ein leichtes Bevölkerungswachstum als gewünschtes Entwicklungsszenario ausgewiesen.

In den Gesprächen mit den lokalen Akteuren, die im Rahmen der Untersuchungen für die vorliegende Arbeit geführt worden sind, hat sich gezeigt, dass die individuellen Lageeinschätzungen zumeist sehr ähnlich waren: so wurde die Alterung als wesentliches Merkmal der aktuellen und künftigen Entwicklung gesehen, und auch der leichte Rückgang der Einwohnerzahl wurde zumeist genannt. Die Warnung der Bertelsmann-Stiftung im „Wegweiser Demographischer Wandel“, es bestehe die Gefahr, dass „Kommunen die Weichen für eine weiterhin positive Entwicklung zu spät stellen“ (Bertelsmann-Stiftung 2005:5), trifft anscheinend hier nicht zu, ist doch sowohl die aktuelle Entwicklung bekannt, als auch eine Zielvorgabe aufgestellt. Betrachtet man die Prognosen für die künftige Entwicklung des Kreises, so erscheint das gewählte Ziel realistisch.

Nun kommt es allerdings darauf an, dem gewählten Entwicklungsszenario entsprechende Strategien zu entwickeln, um die Ziele auch tatsächlich erreichen zu können. Nach dem Auslaufen der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Mitte der 1990er Jahre ist es zu einem gewissen Stillstand der Stadtplanung in Meckenheim gekommen:

„Die Stadtentwicklungsmaßnahme ist abgeschlossen. […] Es gab die Entwicklungsgesellschaft Meckenheim-Merl, die das Ganze absolut forciert hat, und die anderen haben da mitgezogen. Jetzt muss hier in der Verwaltung wieder ganz neu aufgebaut werden, was Stadtentwicklung ist, und wo es weitergeht.“

Es zeigte sich, dass in den einzelnen Handlungsfeldern – etwa der Weiterentwicklung der Siedlungsstruktur oder der Ansiedlung von Unternehmen – Maßnahmen vorgesehen sind, die, jeweils alleine betrachtet, geeignet erscheinen, auf das gewählte Ziel hinzuwirken. Die einzelnen Maßnahmen wirken sich aber nicht nur auf das jeweilige Politikfeld aus, sondern haben auch darüber hinausgehende Folgen – so wirkt sich etwa die Gewerbeansiedlung auf die Zahl der Einwohner und diese wiederum auf die Zahl der Schüler aus.

Bislang fehlen, und dies wurde auch von einigen der Gesprächspartner selbst bemängelt, eine systematische und umfassende Gesamtdarstellung der Lage und eine Gesamtdarstellung der Handlungskonzepte. Die Planung wird unnötig erschwert, wenn sie allein auf den Gegebenheiten in ihrem jeweiligen Handlungsfeld beruht. In der nächsten Zeit ist die Erstellung eines Stadtentwicklungskonzeptes geplant, so dass dieser Mangel abgestellt werden wird.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Stadt Meckenheim, insbesondere mit dem „Programm zur behutsamen Stadterneuerung und Stadtentwicklung“, die Weichen für eine positive Entwicklung gestellt hat. Nun kommt es darauf an, systematisch die Handlungskonzepte aufzustellen, mit denen das selbst gesteckte Ziel auch tatsächlich erreicht werden kann.


Fortschreibung.

Seit Abgabe der Arbeit sind fünf Jahre vergangen. In der Zwischenzeit hat sich die Zentrale der BWI Informationstechnik (Vorhaben „Herkules“), wie erhofft, in Meckenheim nieder­ge­las­sen (siehe S. 57 der Diplomarbeit); damit sind Arbeitsplätze im Bereich der hochwertigen Dienst­leistungen entstanden. Zugleich ist die Einwohnerzahl auf knapp unter 25 000 leicht zurück­gegangen, dem skizzierten Entwicklungspfad folgend (S. 47 bis 57).

Mit der Ausweisung neuer Baugebiete im Sinne eines „kontinuierliche[n], langsame[n] Wachs­tum[s]“ (S. 91) in Nähe zu Herkules (Henry-Dunant-Straße) und im Bereich der nördlichen Stadterweiterung („Meckenheimer Sonnenseite“), sowie mit der Vergrößerung des Industrieparks Kottenforst (Ratsbeschluss vom 21. April 2010) sind die Voraussetzungen dafür geschaffen worden, in den kommenden Jahren am zu erwartenden Wachstum der Einwohnerzahl und der Wirtschaft in der Region teilzuhaben.